FACHARZTZENTRUM REGENSBURG
FACHARZTZENTRUM REGENSBURG

Das Hüftgelenk muss einiges aushalten

Dr. Fickert: “Entscheidung zu Hüftimplantat muss individuell getroffen werden.”

 

Ungefähr 1,5 Millionen Bewegungen führt ein gesundes Hüftgelenk im Jahr aus. Dabei trägt das Gelenk nicht nur ständig das normale körpereigene Gewicht, sondern nimmt sogar ein Vielfaches des Körpergewichtes auf. Wir haben mit Privatdozent Dr. Fickert über Therapiechancen bei Problemen mit der Hüfte gesprochen.

 

Warum klagen so viele Menschen über Hüftschmerzen?

Die Degeneration des Hüftgelenkes ist eine Volkskrankheit. 20 bis 40 Prozent der über 60-Jährigen haben Abnutzungserscheinungen an der Hüfte. Aber auch bei jungen Menschen und vor allem bei Sportlern können bestimmte Formstörungen schon frühzeitig zu Schmerzen führen.

 

Was ist mit Formstörungen gemeint?

Vereinfacht gesagt ist dabei das normale Bewegungsspiel gestört. Schon bei normaler Bewegung stößt der Oberschenkelhals am Pfannenrand an. Erste Schmerzen beklagen die Patienten an der Hüftvorderseite, Leiste oder im Gesäß. Gerade bei Sportlern werden sie häufig oft als Adduktorenzerrungen verkannt oder fälschlicherweise als weiche Leiste benannt.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Krankengymnastik oder Medikamente können den Schmerz und die Entzündung verringern. Der Formfehler kann aber nur operativ behandelt werden. Oft reicht dafür eine Hüftgelenksspiegelung. Dieses Verfahren ist jedoch technisch schwierig, was diese Technik auf spezialisierte Zentren beschränkt.

 

Herr Dr. Fickert, Sie haben erstmals eine autologe Chondrocytentransplantation am Hüftgelenk durchgeführt. Was muss man sich darunter vorstellen?

Weil sich ein geschädigter Knorpel im Gelenk nicht von alleine regenerieren kann, sollen durch die Verpflanzung von körpereigenen Knorpelzellen der Knorpelschaden behoben und Folgeschäden aufgehalten oder zumindest verzögert werden. Dazu wird gesundes Knorpelgewebe entnommen, im Labor vermehrt und anschließend in den Defekt transplantiert..

 

Kann diese Knorpelzellzüchtung auch bei einer Arthrose weiterhelfen?

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose macht diese Technik keinen Sinn. Der starke Entzündungs- und Abnutzungsprozess ist nicht mehr aufzuhalten. Nur durch ein künstliches Hüftgelenk können die Schmerzen deutlich verringert werden. Die meisten Patienten sind damit sogar schmerzfrei.

 

Wann empfiehlt der Spezialist eine Hüftendoprothese?

Wenn die Patienten unter großen Schmerzen leiden, täglich Schmerzmittel einnehmen müssen, starke Bewegungseinschränkungen haben und alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Das sind immer sehr individuelle Entscheidungen.

 

Privatdozent Dr. Stefan Fickert ist seit Juli 2012 Partner im sporthopaedicum Straubing-Regenburg. Nach dem Studium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und an der Berliner Charité promovierte er am Deutschen Rheumaforschungszentrum über Botenstoffe bei Arthrose des Knorpels. Am orthopädisch-traumatologischen Zentrum der Universitätsmedizin Mannheim schloss er seine Ausbildung zum Orthopäden und Unfallchirurgen ab und habilitierte im Bereich der Knorpel- und Hüftchirurgie. Pioneerarbeit leistete er bei der Behandlung von Knorpelschäden am Hüftgelenk: Dr. Fickert hat erstmals in Deutschland im Labor nachgezüchtete Knorpelzellen minimalinvasiv in ein Hüftgelenk transplantiert, um Knorpeldefekte zu decken.